Freitag, 3. April 2015

[Rezension] Lieber Mr. Salinger von Joanna Rakoff

Inhalt:
Von ihnen gibt es Hunderte: blitzgescheite junge Frauen, frisch von der Uni und mit dem festen Vorsatz, in der Welt der Bücher Fuß zu fassen. Joanna Rakoff war eine von ihnen. 1996 kommt sie nach New York, um die literarische Szene zu erobern. Doch zunächst landet sie in einer Agentur für Autoren und wird mit einem Büroalltag konfrontiert, der sie in eine längst vergangen geglaubte Zeit katapultiert. Joanna lernt erst das Staunen kennen, dann einen kauzigen Kultautor – und schließlich sich selber. (Quelle: Knaus Verlag)

Meinung:
Eigentlich ist diese Art von Roman nicht mein bevorzugtes Genre. Allerdings hat mich das Cover so fasziniert, dass ich unbedingt mal über den Tellerrand meines Lesehorizontes hinausschauen wollte. Und ich muss sagen: Ich wurde nicht enttäuscht!

Der Roman hat autobiografische Züge, denn es handelt von Joanna Rakoff's Alterego in den 1990er Jahren in New York City, als die frisch gebackene College-Absolventin die ersten Arbeitserfahrungen in einer Literaturagentur sammelt. Dabei handelt es sich um die Agentur, die den berühmten J.D. Salinger vertritt, was die naive Joanna zunächst nicht weiß. Zu Beginn des Romans kommt mir die Protagonistin naiv und kindisch vor, allerdings ändert sich das im Laufe der Handlung. Sie bekommt die Aufgabe, die Fan-Post von Salinger zu beantworten und beschließt nicht nur den Standard-Brief der Agentur zu verwenden, sondern schreibt eigene Antworten für die Briefe. Das sorgt allerdings, wie es im wahren Leben eben so ist, nicht nur für positive Resonanz. Mit dieser Aufgabe verbringt Joanna ein Jahr, bis sie den Job in der Agentur schließlich kündigt. Mit ihrer Arbeit wird Joanna während des Jahres immer mutiger und selbstbewusster, sie versucht in dieser Zeit auch ihre eigenen Gedichte den Verlagen anzubieten - mit Erfolg.

Unbegreiflich für mich ist allerdings die Beziehung, die Joanna mit Don führt. So wie er im Roman beschrieben wird, fällt es mir sehr schwer, ihm irgendeine gute Eigenschaft zuzuschreiben. Außerdem kann sich Joanna emotional nicht von ihrem Collegfreund lösen. Dieses "Beziehungsdrama" mit den zwei Männern nimmt im Buch einen großen Teil ein, den ich etwas zu ausufern fand und der leider nichts mit dem Salinger-Jahr an sich zu tun hatte. Dies hätte meiner Meinung nach kürzer gefasst werden können, denn dann hätte die Arbeit in der Agentur mehr im Vordergrund gestanden.

Besonders schön an dem Buch finde ich den Schreibstil von Frau Rakoff. Sie beschreibt die Szenen so, dass ich mir ganz genau vorstellen konnte, wie ein New York City wärend eines Schneesturmes aussieht - nämlich menschenleer und ruhig. Das war für mich ein komplett anderes Bild, als das laute, schnelllebige und pulsierene New York, was ich sonst kenne. Ich bin direkt in die Szene eingetaucht und konnte es mir so bildhaft vorstellen, als hätte ich es selber erlebt.

Ein weiteres Highlight ist das letzte Kapitel, in dem Joanna ihr weiteres Leben nach dem Salinger-Jahr in knappen acht Seiten zusammenfasst. Sie verfolgt auch nach ihrer Agentur-Zeit noch das Leben des berühmten Autors und ist tief betroffen von dessen Tod. Bei diesem Buch handelt es sich nicht um fiktion, sonders es ist ein Tatsachenbericht, der beschreibt, wie Joanna Rakoff J.D. Salinger kennengelernt und seine Werke lieben gelernt hat. Es ist Joanna Rakoffs persönliche Hommage an einen großen amerikanischen Schriftsteller.

Fazit: 4 von 5 Sternen
Das Buch ist absolut lesenswert und wer solche Art von Literatur mag, dem kann ich dieses Lektüre wärmstens empfehlen.

Details zum Buch:  
Titel: Lieber Mr. Salinger
Autorin: Joanna Rakoff
Einzelband

Genre: Roman
Verlag: Knaus
ISBN: 978-3-813-50515-3
Seitenzahl: 304
Erstveröffentlichung: Februar 2015
Preis: 19,99 € (Hardcover)
Verlagshomepage



Ich möchte mich ganz herzlich bei Lovelybooks und dem Knaus Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken!

Kommentare:

  1. Huhu Leni,
    ich bin gerade über Lovelybooks auf deinen schönen Blog aufmerksam geworden und auch gleich Leserin geworden, da wir einen ähnlichen Buchgeschmack zu haben scheinen :)
    Dieses Buch hatte ich bislang gar nicht auf dem Schirm. Dank dir ist meine Wunschliste nun um ein Buch reicher!
    Ganz liebe Grüße und schöne Ostertage,
    Jasmin
    von Jasmins Bücherblog
    http://jasmins-buecherblog.blogspot.de/

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  2. Hey Leni,

    das Buch sieht man derzeit häufiger, ich hab aber bisher nie genauer den Inhalt angeschaut. Nach deiner Rezension bin ich auch davon überzeugt, dass es nichts für mich ist. Ich kann Dreiecksgeschichten nicht ausstehen, schon gar nicht wenn sie so einen großen Raum einnimmt. Aber auch sonst klingt der Klappentext nicht so toll, wie ich finde.

    Liebe Grüße,
    Julia

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